Jean Guillou (2.v.r.)

Die Hochschule für Musik Saar trauert um ihren Honorarprofessor Jean Guillou, der am 26. Januar in Paris im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

Der international renommierte Organist und Hochschul-Dozent galt als „wahrhaftiger Künstler und Wahrheitssucher“, so HfM-Professor Jörg Abbing 2015 in seiner Laudatio anlässlich Guillous Bestellung zum Honorarprofessor. Er habe das zu Unrecht als veraltet geltende Instrument Orgel zu neuem Leben erweckt, in dem er es aus seinem angestammten kirchlichen Umfeld in neue Sphären führte. Gleichzeitig betonte Abbing damals die großen Verdienste Jean Guillous als Kirchenmusiker, insbesondere innerhalb seiner jahrzehntelangen Funktion als Titularorganist der Pariser Hauptkirche St. Eustache.

Jean Guillou wurde am 18. April 1930 in Angers geboren. Bereits als Jugendlicher entwickelte er eine besondere Affinität zur Orgel. 1945 begann Guillou am Pariser Konservatorium ein Orgelstudium bei Marcel Dupré, hinzu kamen Kurse in Werkanalyse bei Olivier Messiaen und Harmonielehre bei Maurice Duruflé. 1955 erhielt er einen Ruf als Professor ans Istituto de Musica Sacra in Lissabon. Von 1958 an lebte Guillou in Berlin, bis er 1963 als Titularorganist der Pariser Hauptkirche St. Eustache nach Frankreich zurückkehrte. Bei den jährlichen Züricher Meisterkursen wirkte er von 1970 bis 2005 als Dozent für Orgelimprovisation und Interpretation.

Guillous technische Fertigkeiten sowie sein individuelles Verständnis für die Improvisationskunst machten ihn zu einem der weltweit führenden Orgelvirtuosen. Mit seinem außergewöhnlichen Gespür für Registrierung und Rhythmus hat sich der Komponist nicht zuletzt um die Interpretation Johann Sebastian Bachs verdient gemacht, dessen gesamtes Orgelwerk er in Konzertzyklen immer wieder zur Aufführung bringt. Auch als Pianist erntete Guillou internationale Anerkennung.

Guillou wurde unter anderem ausgezeichnet mit dem Preis der Liszt Akademie in Budapest (1982), dem International Performer of the Year Award (1982) sowie der Diapason d’Or und dem Prix Choc du Monde de la Musique (1991).